Politik

Parlamentarische Gruppe Dialog gegründet

Kantonsrätinnen und Kantonsräte sind es sich gewohnt zu Debattieren. Allerdings: das Wort Debattieren kommt vom Französischen se débattre, sich schlagen oder gar um sich schlagen. So geht es auch in der kantonsrätlichen Debatte oft darum, den Sieg davonzutragen, manchmal, indem man den Gegner frontal angreift, bei Halbwahrheiten bleibt, auf Gegenargumente gar nicht hört, stur auf seiner eigenen Meinung beharrt und diese durchzusetzen versucht.
Die Parlamentarische Gruppe Dialog will hier einen Gegenpunkt setzen. Auf Initiative von Kantonsrätin Anita Panzer (FDP.Die Liberalen) und Betriebsökonom sowie Dialogprozessbegleiter Daniel Gut hat im Mai 2015 ein erster Dialogtag stattgefunden, an welchem sich Kantonsrätinnen und Kantonsräte fast aller Fraktionen beteiligten. Ziel ist es, in einen gemeinsamen Dialog zu treten, eigene festgefahrene Meinungen abzulegen, zuzuhören und mit einer offenen, fragenden Haltung im kreativen Gespräch neue Lösungen zu finden, welche in einer Abstimmung nicht mit 51 zu 49 Prozent angenommen würden, sondern die von mindestens 80 Prozent der Bevölkerung akzeptiert werden könnten. „Dies ist nur möglich, wenn das Gärtchendenken gesprengt und um echte gemeinsame Lösungen in der Politik gerungen wird“, erklärt Anita Panzer. Sie hat sich von Daniel Guts Idee begeistern lassen und einen ersten fraktionsübergreifenden Dialogtag initiiert. „Ich möchte mit dieser Parlamentarischen Gruppe ein Gefäss schaffen für gegenseitige Akzeptanz und einfache, kreative und breit abgestützte Lösungen, zu welchen man erst im echten Dialog findet“, so Panzer. Verschiedene Ansichten könnten durchaus als Chance wahrgenommen werden, um die gemeinsame Lösung in den Vordergrund zu stellen.
„Dialog ist eine Haltung, keine Methode“
Daniel Gut arbeitet in Solothurn und hat sich den Dialog schon länger auf die Fahne geschrieben. „Der Dialog war massgebend für den politischen Umsturz und die Zusammenarbeit von Weissen und Schwarzen in Südafrika“, nennt er ein Beispiel für den Erfolg des Dialogs. „Dialog ist eine Haltung, keine Methode.“
In allen Bereichen des Lebens wird Sozialkompetenz gefordert, was gerade im dialogischen Gespräch immer wieder praktisch angewendet und geübt werden kann. Das gemeinsame Denken an einer Sachfrage ist die Stärke des Dialogs. Da unsere Problemstellungen in Wirtschaft und Politik sehr komplex geworden sind, braucht es den schöpferischen Dialog, um zukunftsgerichtete Lösungen zu finden. Unser wertvolles politisches System kann durch den parteiübergreifenden Dialog eine neue Qualität erhalten, welche gerne auch ausstrahlen darf. Es liegt an uns, diesen Schritt zu tun.

Mitglieder der Parlamentarischen Gruppe Dialog:
Urs Ackermann (CVP); Hubert Bläsi (FDP.Die Liberalen), Johannes Brons (SVP), Dors Häfliger (Grüne), Verena Meyer-Burkhardt (FDP.Die Liberalen), Anita Panzer (FDP.Die Liberalen), Brigit Wyss (Grüne).
Weitere Interessierte Kantonsrätinnen und Kantonsräte werden im Laufe des Sommers an einem weiteren Dialogtag teilnehmen. Danach sollen mind. zwei bis drei Mal pro Jahr Dialogrunden zu brennenden aktuellen Themen stattfinden.

(Informationsschreiben Anita Panzer Juli 2015)