Dialog in aller Welt

Auszüge aus dem Buch —Die Kunst des Dialogs“ von Martina & Johannes Hartkemeyer

Dialog in Tunesien — Friedensnobelpreis für Dialogprozess


Die Freude über die diesjährige Friedensnobelpreisverleihung ist auch in Bramsche gross. Damit wurde erstmals diese hohe Auszeichnung für ein konkretes Dialogprojekt verliehen. Das in Bramsche beheimatete Deutsche Institut für Dialogprozess-Begleitung der Adolf-Reichwein-Gesellschaft (ARG) ist mit dem tunesischen Dialogprozess durch die Mitarbeit im internationalen Vorstand des European Network for Dialogue Facilitation (ENDF) verbunden. Im Rahmen des ENDF nehmen unsere Experten an der Ausbildung von Dialogprozess-Begleitenden teil. Tobias Hartkemeyer stellte als Vorsitzender der Adolf-Reichwein-Gesellschaft vor allem die Strahlkraft von Dialogprozessen angesichts der vielen Zuspitzungen weltweiter Konfliktlagen heraus — im arabischen Raum, in der Ukraine Krise, aber auch im Umgang mit der aktuellen Flüchtlingsthematik. Zwar sei der Dialogprozess nicht als Konfliktlösungsmodell entwickelt worden, aber er führe zur Herausbildung entsprechender Haltungen, die für die Verhinderung von Konflikten und die Wirkung von Konfliktlösungsstrategien unverzichtbar seien. Der Philosoph Mohamed Adel Mtimet, Wissenschaftler und Hochschullehrer an der Universität Gabes, Tunesien, koordiniert dieses Ausbildungsprojekt in Tunesien und betont anlässlich der Preisverleihung, wie wichtig es für sie sei, dass ihre Dialogarbeit überregional wahrgenommen und anerkannt würde.
Die Präsidentin des European Network for Dialogue Facilitation (ENDF), Frau Dr. Heidemarie Wünsche-Piétzka, wird in den nächsten Tagen wieder nach Tunesien fahren, um die weiteren Schritte zur Stabilisierung des dortigen Dialogprozesses über die Fortbildung von Prozessbegleitenden abzustimmen. In den nächsten Wochen wird auch das Buch „Dialogische Intelligenz — Aus dem Käfig des Gedachten in den Kosmos gemeinsamen Denkens“ der Autoren Martina, Johannes und Tobias Hartkemeyer mit einem aktuellen Beitrag der Partner über den vom Nobel-Komitee in Oslo ausgezeichneten tunesischen Dialogprozess erscheinen. Die tunesischen Partner möchten dieses Buch gern als Grundlagenwerk für die Begleitung von Dialogprozessen auf unterschiedlichen Ebenen ins Arabische und Französische übersetzt haben.

Genderdialog

Durch dialogische Gesprächsrunden gelang es z.B. in einem mehrtägigen Workshop über „Gender Mainstreaming“, das befürchtete Hick-Hack und ein Energie raubendes Sich-Abarbeiten an Hierarchien und Konkurrenzen zwischen Wissenschaftlerinnen, Beratern und Gender-Expertinnen zu vermeiden. Im Workshop wurden diese Dialogrunden gezielt im Wechsel mit ergebnisorientierter Diskussion eingesetzt. Dies war auch den Teilnehmerinnen angekündigt worden, was sicher dazu beitrug, dass sie sich leichter auf das Experiment „Dialog“ einlassen konnten.

Arbeitswelt - Lernende Organisation

Der Dialog ermöglicht einen ersten Schritt hin zur lernenden Organisation. Die Geschäftsleitung muss sich den Dialogforderungen stellen, müssen mithin selbst das tun, was sie von ihren Mitarbeitenden verlangen. Damit ist das Spiel quasi nur angepfiffen und noch lange nicht gewonnen. Nun beginnt der lange und manchmal mühsame Weg auf dem Widerstände und Hindernisse zu überwinden sind. Entscheitend ist dabei, dass der Dialog und seine Haltungen vorgelebt werden. Ist eine gemeinsame Dialogerfahrung vorhanden, sollte der Dialog möglichst umfassend bei jeder sich bietenden Gelegenheit im Alltag eingesetzt werden, so dass er sich dort verankern kann.

Dialog im Hochsicherheitsgefängnis in London

Aus dem Gespräch mit Peter Garrett geht hervor, wie sehr Ver- und Beurteilungen die Selbstreflexion des Einzelnen blockieren. Eine vorurteilsfreie Atmosphäre und ein sicherer Vertrauensraum dagegen ermöglichen den Blick auf die innere Motivation, ein Erkennen der tieferen Bedürfnisse, die den eigenen Handlungen zu Grunde liegen. Erste Voraussetzung eines solchen Prozesses ist das Gehörtwerden in der Gruppe, er erfordert darüber hinaus das Formulieren und Aussprechen eigener Annahmen und Vermutungen, erweitert sich durch den Austausch, kann eigenes Erkennen von grösseren Zusammenhängen ermöglichen und zu neuem Denken führen.

Der Versöhnungsprozess in Südafrika

Die Tätigkeit des TRC (Truth and Reconciliation Committee) folgte dialogischen Grundprinzipien; so dem Bemühen, die Gedankenwelt der Täter zu verstehen und zuhören zu lernen. Eine Amnestie für die Täter der Apartheids-Verbrechen war nur unter der Voraussetzung der wahrheitsgemässen Offenlegung der eignen Taten möglich. Bemerkenswert ist, dass sich aus vorbereitenden Informations-Workshops der angestrebte breite gesellschaftliche Dialog ergeben hat und damit der Transfer vom Gruppendialog in die Gesellschaft geglückt ist.